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JEFF CASCARO


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JEFF CASCARO


Mit „Mother and Brother“, Jeff Cascaros zweitem Album, gießt der gebürtige Bochumer seinen Ruf als eine der großen deutschen Stimmen in Sachen Soul mit Pop-Attitüde in Zement. Wo sein erstes Album „Soul of a Singer“ 2006 mit eingängigen Songs diese besondere Stimmung mit Pop, Soul, Jazz und Blues-Elementen erzeugte, badet sein neuester Longplayer geradezu in diesem erfrischend anderen, individuellen, unverschämt unterhaltsamen Cocktail. Jeff Cascaro – die Stimme... aber auch die Stimmung.

Doch der Reihe nach: Jeff Cascaro begann seine Karriere bereits mit 18 Jahren als Gewinner von „Jugend jazzt“. Erfahrungen sammelte er unter anderem als Backgroundsänger und Gastmusiker mit der NDR Bigband, der Rias Big Band, mit Ute Lemper, den Fantastischen Vier, Sasha, Joe Semple von den Crusaders, Götz Alsmann, Klaus Doldinger’s Passport, den Guano Apes oder Paul Kuhn – um nur eine Auswahl zu nennen. Stehen sie doch für das genreübergreifende Musik-Verständnis des Mannes aus dem Ruhrpott, der so unüberhörbar das Herz auf dem rechten Soul-Fleck hat. Seit 2000 ist der vielseitige Praktiker noch dazu Professor für Jazz-Gesang an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. Sein CD-Debüt unter eigenem Namen bereitete Jeff Cascaro sorgfältig vor – und zeigte schließlich, was es heißt, die Soul Of A Singer zu haben.

Von der Seele eines Sängers erzählt auch Mother and Brother. Von seiner Liebe zur Musik, zum Leben überhaupt (‚Ella’ oder ‚I Feel Fine’) berichten Cascaros Songs, öffnen ganze Kapitel über seinen bisherigen Lebensweg, sein Lieben und Leiden (‚When She Sings To Me’ oder ‚The Sun Is Shining For Our Love’) oder fordern unaufdringlich zum Tanzen auf (‚Love Is In The Air’). Cascaro folgt dabei den Traditionen des klassischen Soul-Sängers, wie schon Stevie Wonder, Bill Withers oder Wilson Pickett vor ihm. Doch auch Traditionen müssen immer neu interpretiert werden, wie Cascaro weiß: „Ich habe natürlich irgendwie einen roten Faden, aber Du wirst bei keinem der Stücke eine zweite Strophe finden, die sich so wie die erste anhört. Es gibt immer etwas andere Töne, eine andere Melodieführung.“

Jeff Cascaro singt seine Songs nicht nur selbst, er schreibt und komponiert diese auch, was bereits seinen Erstling Soul of a Singer die Authentizität gab, die sich auf dem zweiten Album nun fortsetzt. Dass er selbst hinter den Reglern das Material arrangierte und auch ein wunderbar warmes Flügelhorn-Solo beisteuerte, ist nicht nur eine persönliche Zugabe, sondern das Fundament.

Bei Mother and Brother wurde Jeff wieder von seinen langjährigen Weggefährten Christian von Kaphengst unterstützt, der nicht nur als Produzent, sondern zugleich als Co-Autor und kreativer Mentor an seiner Seite aktiv war – wobei Cascaro selbst die eigentliche kreative Pferdestärke hinter dem erdigen, warmen Sound seines neuen Albums ist: „Du hast natürlich schon eine Idee davon, was Du machst“ versichert Jeff „Ich möchte es aber immer so halten, dass man auch spontan sein kann. Sonst entsteht schnell so ein Einheitsbrei, wie er häufig zu hören ist.“

Und so gleichen die 11 Songs eher einer Sommerfest-Gesellschaft unter freiem Himmel, treffen Soul, aber eben auch Pop, Jazz und Blues ganz selbstverständlich zusammen – zu einem Rendesvouz mit Cascaros so unwiderstehlich angerauter Stimme, die Mother and Brother ohne wenn und aber zu einem der großen musikalischen Highlights des laufenden Jahres macht.

Wie gute Freunde mischen sich auf Mother and Brother auch einige Coverversionen unter die Familie. Da ist John Paul Youngs unwiderstehlicher Disco-Klassiker ‚Love Is In The Air’, aber auch ‚Help The Poor’, B.B. Kings dringlicher Blues. Einen eigenen Zugang zu dem Genesis-Klassiker ‚Follow You, Follow Me’ zu finden, war eine große Herausforderung für Jeff Cascaro. Das Leben stellt uns Aufgaben, um an ihnen unsere Stärke zu zeigen. Jeff gelang eine Kerzenlicht-Ballade, in deren Hintergrund man geradezu den Kamin knistern hört: „Ich mochte das Stück zuerst nicht so sehr, es war schwierig, das in einen anderen Kontext zu bringen. Aber es wurde eines meiner Lieblingsstücke des Albums, weil es wirklich wahnsinnig gut geworden ist.“

Eine Einschätzung, die ohne Übertreibung auch für das gesamte Album gilt. Mehr noch: eigentlich ist Mother and Brother ein abendfüllender Film, der Jeff Cascaros Leben in der Vielfalt seiner Perspektiven zeigt und das Miteinander von Soul, Jazz und Pop in ein – in Deutschland bisher ungeahntes – Licht setzt. Mit seinen langsamen Slow Jams, den angenehm verzwickten, spielfreudigen Midtempos und schließlich hinreißend tanzbarem Material wird Mother and Brother besonders diejenigen in seinen Bann ziehen, die Musik sowieso als grenzenlose Sprache der Welt verstehen. Like Mother and Brother.

Wer könnte bessere Worte für diese Verbindung aus stimmlicher Melancholie, luftigen Pop-Nummern, warmherzigen Soul-Hymnen, sensiblen Jazz-Tunes und feurigen Discohymnen finden als Jeff Cascaro selbst, dieser unaufgeregte Soul-Star: „Ich will einfach ein normaler Typ sein, der seinen Soul macht!“

© Michael Ahrens (www.soultrainonline.de)
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